Zum Inhalt springen

"Wir stehen vor einem riesigen Solarboom"

Zwei Männer stehen vor einer Wand mit Solaranlagen und unterhalten sich während sie Infomaterial in der Hand halten.
© Antje Schimanke

Man sieht sie immer mehr auf den Dächern in Bremen und Bremerhaven: Solaranlagen. In Zeiten, in denen die Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern zunehmend wichtiger wird, wollen viele Menschen ihren eigenen Strom- und Wärmebedarf mit Erneuerbaren Energien decken.

„Wir stehen vor einem riesigen Solarboom“, bestätigt auch Horst Zöller, Solar-Lotse der gemeinnützigen Klimaschutzagentur energiekonsens in Bremerhaven. „Die Bereiche, in denen wir Solar für uns nutzen können, werden immer vielfältiger. Zum Beispiel müssen wir bei der Mobilität mehr auf die Energie der Sonne setzen und mit Sonne tanken.“ Für den Klimaschutz sei Solar unerlässlich: „Ohne Solarenergie können wir das 1,5 Grad Ziel nicht erreichen.“ Solarenergie mache zudem unabhängig vom internationalen Energiemarkt – ein Faktor, der die aktuelle Nachfrage enorm gesteigert habe. „Nebenbei ist das auch noch wesentlich günstiger als fossile Energien.“

Gut beraten zur eigenen Photovoltaik-Anlage

Als Solar-Lotse in Bremerhaven begleitet und unterstützt Horst Zöller kleine und mittelständische Unternehmen bei der Anlagendimensionierung und Anschaffung einer Photovoltaik-Anlage (PV) zur Stromproduktion. Während des gesamten Prozesses steht er den Firmen für aufkommende Fragen beratend zur Seite. „Das können ganz vielfältige Fragen sein, mal rechtliche, mal zur Dachkonstruktion, zur Größe der Anlage oder welchen Anlagenbauer man nehmen kann.“

Aber auch bei Privatpersonen weiß Horst Zöller, welche Schritte man auf dem Weg zu einer eigenen PV-Anlage beachten sollte: „Zuerst müssen die Rahmenbedingungen betrachtet werden: Wie groß ist das Dach meines Hauses? Wie groß kann die Anlage werden und wie hoch ist mein Strombedarf?“ Diese beiden Punkte seien entscheidend für die Wirtschaftlichkeit einer Anlage. Hauseigentümer*innen sollten laut dem Solarexperten auch das eigene Verhalten mit in den Blick nehmen: „Zu welcher Uhrzeit werden in der Regel große Stromverbraucher im Haushalt genutzt? Kann ein Speicher Sinn ergeben?“.

Nach einem Gespräch mit Horst Zöller im November 2021 möchte Bastian Peters von Blumen Peters in Bremerhaven nun Sonnenstrom vom eigenen Dach produzieren. Dafür holt er sich vom Solarlotsen eine unabhängige Einschätzung für die Wirtschaftlichkeit der geplanten Solaranlage ein.

Hohe Solarnachfrage führt zu längerer Planungsphase

Horst Zöller bietet zwar im Privaten keine Beratung an, verweist aber auf das kostenfreie Beratungsangebot der Solarkampagne #machWatt für Bremer und Bremerhavener Haushalte – durchgeführt von der Verbraucherzentrale Bremen. „Es ist immer sinnvoll, sich unabhängig beraten zu lassen und das frühzeitig.“ Derzeit seien viele Solarteure mit Aufträgen bis Ende des Jahres ausgelastet, auch die Beratungsformate können mitunter Wartelisten haben. „Man sollte sich jedoch nicht abschrecken lassen, sondern jetzt gut informieren, Beratungsangebote in Anspruch nehmen, einen Plan machen und mehrere Anbieter anfragen – so ist man bestens aufgestellt, sobald es wieder Kapazitäten gibt.“

Sonne tanken – Das Auto als Stromspeicher

Zusätzlich regt der Solar-Lotse zur sogenannten „Sektorenkopplung“ an: „Will ich mit dem solar-produzierten Strom auch mein Auto aufladen oder meine Wärmepumpe betreiben?“ Die Kombination von Solarenergie und Wärmeversorgung oder Mobilität würde laut Horst Zöller zukünftig deutlich an Bedeutung gewinnen – insbesondere mit Blick auf teure Öl- und Gasimporte.

Die Bürokratie schätzt Horst Zöller bislang als ein großes Hemmnis für den Solarausbau ein. „Wir brauchen einfache Rahmenbedingen, um alle technischen Möglichkeiten zu nutzen.“ Besonders für gemeinschaftlich genutzte Gebäude sei es heute noch viel zu kompliziert, eine Solaranlage zu installieren. Doch besonders für Privatpersonen hat Horst Zöller noch einen wichtigen Rat: „Sich nicht abschrecken lassen. Bei Einfamilienhäusern ist die PV-Anlage meist einfacher umzusetzen und auch wenn es sich oft um kleine Anlagen handelt, können sie einen großen Unterschied machen.“