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Einfach wegschmeißen? Kommt nicht in die Tüte!

Zwei Männer im Repaircafe, die Elektrogeräte reparieren
© energiekonsens

Schließlich gibt es einige Anlaufstellen in Bremen und Bremerhaven, in denen kaputten Sachen ein neues Leben geschenkt wird: nämlich Repair Cafés, zu Deutsch Selbsthilfewerkstätten. Wer sie aufsucht, macht die Welt nicht nur sauberer, sondern lernt jede Menge dazu – praktische Fertigkeiten inklusive.

Einer, der ein solches Angebot regelmäßig im Stadtleben Ellener Hof in Bremen-Osterholz wahrnimmt, ist Arvit Zankl. Der Student fährt täglich Rad, so dass immer mal etwas daran zu reparieren oder verbessern ist. „Super also, wenn man wie ich eine Fahrrad-Selbsthilfewerkstatt direkt nebenan hat, wo es Werkzeug und Möglichkeiten gibt, selbst Hand anzulegen. Das macht unabhängig von Werkstätten, die Geld für Reparaturen nehmen“, erzählt der 22-Jährige, und: „Mich interessiert es auch, wie mein Fahrrad funktioniert und aufgebaut ist. Im Austausch mit anderen kann man viel Neues darüber erfahren.“

Die Fahrrad-Selbsthilfe-Werkstatt ist Montagvormittag sowie Mittwoch- und Freitagnachmittag geöffnet. Hier trifft man auch Regina Ventzky und ihr Team vom Beschäftigungsträger bras e. V. – arbeiten für bremen. Sie unterstützen die Besucher:innen bei den Reparaturen und betreiben überdies einen Fahrrad-Verleih.

E-Geräte retten

Jeden Montag von 16 bis 19 Uhr treten zusätzlich zwei Ehrenamtliche auf den Plan: Bernd Drewitz und Volker Diesing, die dann in den Räumlichkeiten der Fahrrad-Station eine Elektro-Selbsthilfewerkstatt aufbauen. Lötkolben, Isolierzange, Spannungsmesser und mehr sind bei den pensionierten Elektroingenieuren im Dauereinsatz. Mit ihnen haben die beiden seit Beginn ihres Einsatzes im Mai 2020 rund 40 Elektrogeräten das Leben gerettet – darunter Staubsauger, Toaster und Co. Und nicht nur das: „Einige Besitzer von defekten Dingen bekamen von uns gezeigt, wie sie das nächste Mal selbst ein Kabel ausbessern oder einen Wackelkontakt beheben können“, so Volker Diesing.

Alternative für die Wegwerf-Gesellschaft

Der Ruheständler macht das nicht nur, weil er Freude an Elektronik hat und sein Wissen weitergeben möchte. „Mir ist mit Blick auf nachfolgende Generationen auch der Umweltaspekt wichtig. Allein durch die Reparatur eines Laptops spart man 90 Kilo CO2 ein“, weiß der 63-Jährige. Wie sein Kollege Bernd Drewitz, der vorher bereits im Repair Café in der Neustadt tätig war, will er der heutigen Wegwerf-Gesellschaft eine Alternative bieten. „Natürlich gibt es ‚hoffnungslose‘ Fälle – insbesondere Produkte jüngeren Datums, die man zum Beispiel durch verklebte Gehäuse gar nicht reparieren kann. Doch jeder Gegenstand, der länger gebraucht und damit später weggeworfen wird, spart Grundstoff- und Energiemengen für die Herstellung von etwas Neuem ein“, ergänzt Bernd Drewitz.

Tipps austauschen

Auf seinem und Volker Diesings Werktisch lagen schon viele alte „Schätzchen“: eine Stereoanlage aus den 50er sowie ein Küchenmixer aus den 60er Jahren. „Die Dame, die ihn brachte, erzählte uns, dass das Gerät sie gefühlt das ganze Leben begleitet hat und nicht zu ersetzen ist“, erinnern sich beide. Aber auch junge Leute oder Familien mit Elektrospielzeug schauen vorbei. Das Schöne an der Tätigkeit sei, dass man miteinander ins Gespräch kommt. „Da werden Tipps ausgetauscht und Gefachsimpelt. Das macht Spaß“, so die freiwilligen Helfer. Übrigens: Ebenfalls auf dem Gelände des Stadtleben Ellener Hof befindet sich eine offene Nähwerkstatt, in der mittwochs von 9 bis 12 Uhr gebrauchte Kleider unter Anleitung ein „Upcycling“ erfahren. Sowohl die Elektro -, als auch die Nähwerkstatt, wurden durch das Projekt Klimaquatier Ellener Hof initiiert, entwickelt und aufgebaut

Hier findet ihr Repair Cafés und Selbsthilfewerkstätten in Bremen und Bremerhaven:

Repair Cafes in Bremerhaven

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